DEUVET unterstützt die Freunde der historischen Mobilität mit umfangreichen Leitfäden zu diversen Themen

Der DEUVET Bundesverband Oldtimer-Youngtimer e.V. unterstützt die Freunde der historischen Mobilität mit umfangreichen Leitfäden zu diversen Themen

 

Heutiges Thema: Tanken im Ausland

 

Wenn der gut vorbereitete Old- oder Youngtimer bei der Einreise nach Irland von der Fähre in Rosslare fährt, hat er hoffentlich noch einiges an Sprit aus England im Tank. Dort gibt es Kraftstoff mit ROZ 97 und E 5 Qualität, nicht an jeder Station, aber doch zu finden. Irland ist nicht nur sehr schön, aber auch größer, um nicht ohne nachzutanken eine tolle Rundreise zu machen. Dann beginnt das Problem: es gibt nur noch zwei Sorten Kraftstoff auf der grünen Insel: Diesel und E 10 ROZ 95. Für die niedrigere Oktanzahl hat man häufig Booster dabei, aber E 10 verträgt leider nicht jeder Oldtimer.

In zahlreichen Gesprächen hat der DEUVET Fragen und Unsicherheit hinsichtlich der Betankung von klassischen Fahrzeugen im Ausland festgestellt. Der neu erstellte Kraftstoff-Leitfaden soll hier eine Hilfe geben und die Risiken bewerten, wenn der gewünschte Kraftstoff gerade nicht zur Verfügung steht. In vielen Fällen ist ein Betrieb des Old- oder Youngtimers dennoch möglich, ggf. mit kleinen Einschränkungen. Gerade bei versehentlichen Fehlbetankungen muss jedoch zumeist umsichtig gehandelt werden, um den Betrieb des Fahrzeugs weiterhin zu ermöglichen. Der DEUVET empfiehlt, den Leitfaden vor Reiseantritt auf Relevanz zu prüfen und sich entsprechend auf die Auslandsfahrt vorzubereiten.

Leitfaden für die Betankung klassischer Fahrzeuge im Ausland

Fahrten mit klassischen Fahrzeugen ins europäische Ausland sind sehr beliebt. Aber nicht immer sind alle in Deutschland üblichen Kraftstoffsorten auch in anderen Ländern verfügbar. Manchmal werden dort auch Sorten angeboten, die in Deutschland gar nicht oder nur vereinzelt erhältlich sind. Dieser Leitfaden empfiehlt Tankmöglichkeiten und Betriebshinweise, falls die gewünschte Kraftstoffsorte im Ausland gerade nicht zur Verfügung steht oder versehentlich die falsche Sorte vertankt wurde.

Dieser Leitfaden ersetzt keine Herstellerfreigaben und der DEUVET übernimmt auch keine Verantwortung für Betankung und Betrieb des Fahrzeugs.               

Überblick

 

Die beiden Übersichten zeigen die Risikoabschätzung für Otto- und Dieselkraftstoff, falls die gewünschte Sorte nicht verfügbar ist. Neben vielen grünen Feldern (hier ist der Betrieb mit den angebotenen Alternativsorten problemlos möglich) zeigen sich einige Risikofälle insbesondere für in Deutschland nicht erhältliche Kraftstoffsorten, für die im Folgenden konkrete Empfehlungen gegeben werden. 

1.  Die gewünschte Oktanzahl (ROZ) ist nicht verfügbar

In vielen europäischen Ländern sind SuperPlus und Premium-Kraftstoffe nicht oder nicht flächendeckend verfügbar, in wenigen Regionen wird sogar noch das in Deutschland nicht mehr erhältliche Normalbenzin mit ROZ 91 angeboten.

Der Motorbetrieb mit zu geringer Oktanzahl kann durch unkontrollierte Verbrennung zu schweren Motorschäden führen. Bei Betrieb mit niederoktanigen Kraftstoffen sind hohe Motorlasten über den gesamten Drehzahlbereich unbedingt zu vermeiden.  Durch frühzeitiges, häufigeres Nachtanken mit der gewünschten oder höherwertigeren Kraftstoffsorte kann längerer Betrieb mit dem falschen Kraftstoff begrenzt werden.

 

Oktanzahlbooster können helfen, die erforderliche Oktanzahl auch bei geringwertigeren Kraftstoffen einzustellen. Die Hersteller-Hinweise zu Beimischung, Betrieb und Lagerung sind dabei unbedingt zu beachten. 

 

2. Der Ethanolgehalt im Kraftstoff ist höher als für meinen Motor freigegeben

Seit 2011 wurde in Deutschland schrittweise Superkraftstoff ROZ95 mit 10% Ethanolbeimischung (E10) eingeführt; vorher lag jahrzehntelang die in der Kraftstoffnorm festgelegte Grenze bei 5% Ethanol (E5). Ethanol wirkt wasseranziehend (hygroskopisch) und korrosiv, daher müssen alle kraftstoff-führenden Bauteile entsprechend alkoholresistent ausgelegt sein. Hohe Bauteile- und Kraftstofftemperaturen sowie die Einwirkdauer begünstigen die Materialschädigung

Viele klassische Fahrzeuge haben bereits rückwirkend eine Herstellerfreigabe für E10-Kraftstoff erhalten. Aktuelle Listen mit Herstellerfreigaben finden sich im Internet.

Inzwischen zeichnet sich ein Trend zur weiteren Anhebung des Ethanolgehalts auf zunächst 20% ab. Einige Hersteller haben bereits (vorwiegend jüngere) Modelle rückwirkend auch für den Betrieb mit diesem Kraftstoff freigegeben.

Ist das Fahrzeug nicht für den Betrieb mit E10 oder E20 freigegeben, sollte dieser Kraftstoff auch nicht vertankt werden. Ein Additiv zur Minderung der korrosiven Wirkung von Ethanol ist nicht verfügbar. Wird generell kein E5-Kraftstoff angeboten, können folgende Maßnahmen das Risiko von Materialschäden mindern, aber nicht gänzlich ausschließen:

  • Tank nicht auf weniger als ½ Füllung leerfahren. Ein möglichst voller Tank heizt sich nicht so schnell auf und ggf. vom Motor über die Rücklaufleitung strömendes Benzin wärmt den Restinhalt langsamer durch.
  • Volllastfahrten möglichst vermeiden, bei Zwischenstopps oder nach Fahrtende die Motorhaube wenige Minuten öffnen. Damit werden motornahe kraftstoffführende Bauteile gekühlt.
  • Häufige Sichtprüfungen, ob insbesondere im Motorraum Undichtigkeiten erkennbar oder riechbar sind. In diesem Falle bitte keinen Motorstart mehr vornehmen – Brandgefahr!
  • So bald wie möglich alkoholarmen Kraftstoff nachtanken und danach noch ca. 2 Kilometer fahren, damit das gesamte Kraftstoffsystem gespült wird. Eine längere Einlagerung des Fahrzeugs muss unbedingt mit E5 erfolgen, da Korrosion auch bei stehendem Fahrzeug fortschreitet.
  • Ist bekannt, dass im besuchten Land kein E5-Kraftstoff mehr angeboten wird, kann insbesondere bei älteren Klassikern zumindest ein Tausch der Kraftstoffleitungen gegen Ausführungen aus alkoholresistentem Material noch vor Fahrtantritt sinnvoll sein.

3. Das Fahrzeug wurde versehentlich mit E85 betankt

In Frankreich und Schweden wird ein Kraftstoff mit 85% Ethanolanteil angeboten. Dieser Kraftstoff ist nur für speziell dafür ausgerüstete Fahrzeuge geeignet. Auch bei verlockend günstigem Preis ist dringend vom Vertanken in klassischen Fahrzeugen abzuraten (die einzige Ausnahme bilden ganz wenige Import-Oldtimer aus Brasilien, die bereits ab Werk auf Alkoholtreibstoffe ausgelegt waren)!

Die E85-Zapfsäulen sind deutlich zu erkennen, entweder durch besondere Farbe des Tankstutzens oder Bezeichnung des Kraftstoffs. Kommt es trotzdem zu Fehlbetankungen, ist neben den in Punkt 2 aufgeführten Risiken auch mit deutlichen Problemen im Motorbetrieb zu rechnen – E85 hat ca. 30% weniger Heizwert als E5- oder E10-Benzin und damit passen weder Einspritzparameter noch Vergaserbestückung zu diesem Kraftstoff.

 

Ein Betrieb nach Fehlbetankung sollte nur im äußersten Notfall über die kürzestmögliche Strecke erfolgen. Der Tank sollte schnellstmöglich leergepumpt und mit korrektem Kraftstoff neu befüllt werden, unmittelbar anschließend ist eine Fahrt über mindestens 10km zur vollständigen Spülung des Kraftstoffsystems ratsam.

 

4.  Was ist bei HVO100-Betankung im Klassiker zu beachten

HVO100 ist ein regenerativer Kraftstoff, bei dem Pflanzenöle durch chemisch-katalytische Prozesse so umgewandelt werden, dass sie in ihren Eigenschaften an Dieselkraftstoff angepasst werden. Er reduziert die CO2-Emissionen um bis zu 90% ggü. fossilem Diesel. HVO100 ist mit dem Biodiesel der 1990er Jahre nicht zu vergleichen, er entspricht mit Ausnahme der um ca. 6% geringeren mittleren Dichte komplett der Norm für Dieselkraftstoffe.

Zahlreiche, insbesondere jüngere Fahrzeuge sind inzwischen herstellerseitig für den Betrieb mit HVO100 freigegeben worden. Entsprechende Listen finden sich im Internet.

 

Auch klassische Fahrzeuge, für die eine Herstellerfreigabe nicht mehr zu erwarten ist, können zumeist problemlos mit HVO100 betrieben werden. Bei Vorkammer- oder Wirbelkammermotoren mit Aufladung oder Vierventiltechnik sollte aufgrund des geringeren Zündverzugs auf Volllast-Dauerbetrieb bei hohen Drehzahlen verzichtet werden. Direkteinspritzende Dieselmotoren sind hiervon nicht betroffen. Kraftstoffbedingte Motorschäden sind allerdings bisher aus der Praxis nicht bekannt. Eine häufigere Sichtprüfung des Kraftstoffsystems insbesondere bei Motoren mit unterdurchschnittlichem Wartungsstand oder unklarer Wartungshistorie des Kraftstoffsystems wird empfohlen, da HVO100 Vorschäden im Kraftstoffsystem „freispülen“ kann.

 

5.  Betankung mit Biodiesel

In der EU werden heute als Tankstellenware Dieselkraftstoffe mit bis zu 7% Biodieselbeimischung angeboten, vereinzelt sind in Europa noch reine Biodieselkraftstoffe unter der Bezeichnung FAME oder B100 erhältlich.

Bis in die 1990er Jahre waren einige Modelle für den Betrieb mit Biodiesel bzw. Pflanzenöle geeignet. Hierbei handelte es sich ausschließlich um Vor- oder Wirbelkammermotoren ohne Partikelfilter.

Bei Fahrzeugen ohne Freigabe für Biodiesel wird dringend von der Vertankung abgeraten. Die Schmiereigenschaften von Biodiesel entsprechen nicht den Vorgaben der Dieselnorm und können in kürzester Zeit schwerste Schäden am Einspritzsystem verursachen. Überdies kann es vorrangig im Kurzstreckenbetrieb zur Anreicherung von Biodiesel im Motoröl sowie zur irreversiblen Verstopfung von Partikelfiltern kommen.

 

Ein Betrieb nach Fehlbetankung sollte nur im äußersten Notfall über die kürzestmögliche Strecke erfolgen. Der Tank sollte leergepumpt und mit korrektem Kraftstoff neu befüllt werden, anschließend ist eine Fahrt über mindestens 10km zur vollständigen Spülung des Kraftstoffsystems ratsam.

 

Allgemeine Hinweise

 

In der Regel werden ausländische Reiseziele nicht spontan festgelegt, sondern ist das Ergebnis einer oftmals längeren Vorplanung:

  • Informieren Sie sich vorher über Kraftstoffangebot und Tankstellendichte in den besuchten Ländern. Beachten Sie z.B. auch die Regeln für das Mitführen von Reservekanistern.
  • Prüfen und reparieren Sie kraftstoffführende Teile bei erkennbarem Verschleiß noch vor Reiseantritt.
  • Zusatzstoffe wie Oktanzahlbooster, Benzinstabilisatoren oder (bei Diesel-Youngtimern) DPF-Reinigungsflüssigkeiten, AdBlue etc. besorgen Sie in ausreichender Menge noch vor Reiseantritt.
  • Besondere Aufmerksamkeit beim Tanken, ob wirklich der gewünschte Kraftstoff vertankt wird. Im Zweifelsfalle (wenn möglich) das Tankstellenpersonal ansprechen.
  • Bei Fehlbetankungen oder wenn die Wunschsorte nicht verfügbar ist: Beachten Sie die vorstehenden Hinweise und achten Sie auch während der Fahrt auf ungewöhnliches Fahrverhalten, Geruchs und Geräuschentwicklung.
  • Nach der Reiserückkehr wird eine Sichtprüfung des Kraftstoffsystems durchgeführt, insbesondere wenn Sie mit anderen Kraftstoffen als Ihrer Wunschsorte getankt haben.
  • Vor der Einlagerung des Klassikers nach der Auslandsfahrt tanken Sie mit Ihrer Wunschsorte voll und fahren dann noch eine kurze Strecke.

 

 

Kraftstoffbezeichnungen im Ausland

Land

Super 95

Super Plus 98 / 100

Diesel

Albanien

Benzine pa plumb 95

Benzine pa plumb 98

Diezel / Gazoil

Belgien

Superbenzine / Sans plomb 95

Sans plomb / Benzine oncheloode

Diesel

Bulgarien

95 Oktan

98 Oktan H

Diesel

Dänemark

Blyfri 95

Blyfri 98

Diesel

Estland

95 E

98 E Futura

Diesel

Finnland

95 E

98 E

Diesel (Polttloöljyi)

Frankreich

Sans Plomb 95

Sans Plomb 98

Gasoil / Gazole / Diesel

Griechenland

Amoliwdi Wensina

Amoliwdi Wensina 100

Diezel / Gasoil

Großbritannien

Premium Unleaded

Super Plus

Diesel / Derv

Irland

Unleaded / Petrol

 

Diesel / Derv

Island

Blylaust bensin

 

Diesel

Italien

Super / Eurosuper 95 / Benzina Verde

Super Plus / Eurosuper Plus 98 / Benzina Verde Plus

Gasolio / Diesel / Carburante Diesel

Kroatien

Super / Eurosuper 95

Super Plus / Eurosuper Plus 98

Diesel / Dizel / Eurodiesel

Lettland

Benzīns 95

Benzīns 98 / 98 E Futura

Diesel / Dīzelis

Litauen

 

98 E Futura

Diesel / Dyzelis / Kuras

Luxemburg

Essence sans plomb

Super Plus / Oktan 98

Diesel

Malta

Premium Unleaded

Super Unleaded

Diesel

Moldawien

Benzina 95 / Euro Premium 95

Benzina 98 / Euro Super 98

Diesel / Motorina

Niederlande

Superbenzine

Oncheloode Super 98

Diezel

Norwegen

Blyfri 95

Blyfri 98

Diesel

Österreich

Super (Bleifrei)

Super Plus

Diesel

Polen

Benzyna bezolowiowa 95 /
95 E

Benzyna bezolowiowa 98 /
98 E

ON / Olej Napedowy

Portugal

Gasolina sem chumbo 95

Gasolina sem chumbo 98

Diesel / Gasoleo

Rumänien

Benzina Super

Benzina Super Plus

Motorina / Diesel

Schweden

Bensin 95 / Blyfri 95

Bensin 98 / Blyfri 98

Diesel

Schweiz

Super / Super 95 / Benzina senza piombo

Super Plus / Super Plus 98 / Benzina verde plus

Diesel / Gasoil / Gazole / Gasolio

Serbien

Super / Eurosuper 95

Super Plus / Eurosuper 98

Dizel / Diesel / Eurodiesel

Slowakei

Natural 95

Natural 98

Nafta

Slowenien

Natural 95 / Eurosuper 95

Natural 98 / Eurosuper 98

Nafta / Diesel

Spanien

Gasolina sin plomo 95

Gasolina sin plomo 98

Gasoleo / Diesel

Tschechien

Natural 95

Natural 98

Nafta

Türkei

Kursunsuz / Super (95)

Super Plus (98)

Mazot / Dizel / Eurodiesel

Ungarn

Szuper Benzin

Szuper Plusz / 98 Oktan

Diesel / Dizel

Zypern

Premium Unleaded

Super Unleaded

Diesel

Quelle: A

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DEUVET Kraftstoffleitfaden 26-07
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